Informatik: Diagnose und individuelle Förderung im Informatikunterricht

Das Schulfach Informatik ist in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in der Sekundarstufe I einem beständigen Wandel unterworfen gewesen, der nicht nur die inhaltliche Ausrichtung sondern auch den Status des Fachs als Wahl- oder Wahlpflichtfach betraf. Zudem wurde und wird sowohl in der IT-nahen Berufsbildung als auch an den Hochschulen ein hoher Mangel an Schülerinnen und Schülern mit fundierten Informatikkenntnissen beklagt. Anforderungen von Seiten der Politik und Wirtschaft führten daher in den letzen Jahren dazu, dass das Schulfach Informatik häufig nur als Kurs zur Informationstechnischen Grundbildung angeboten wurde. Empfehlungen für Bildungsstandards für das Schulfach Informatik in der Sekundarstufe I wurden erst im Jahr 2008 ausgesprochen. Aus diesen Gründen existieren bislang fast keine gesicherten Erkenntnisse, die die Diagnose und individuelle Förderung im fachwissenschaftlich ausgerichteten Informatikunterricht in der Sekundarstufe I betreffen.

Die Diagnose der individuellen Vorkenntnisse und Lernstände stellt jedoch gerade im Fach Informatik die Lehrpersonen vor besondere Herausforderungen, da die stetig wachsende Durchdringung der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler mit neuen Technologien zu sehr heterogenen, im privaten Umfeld erworbenen Vorerfahrungen mit den Betrachtungsgegenständen des Informatikunterrichts führen. Damit die Lehrpersonen diesen Herausforderungen gerecht werden können, müssen sie im Rahmen ihrer Ausbildung Instrumente zur Erhebung individueller Lernstände und ggfs. auch unangemessener Vorstellungen erlernen und diese Instrumente produktiv zu nutzen wissen.

Was wir ändern

In Vorbereitung auf spezifisch angelegte Lehrveranstaltungen zur Diagnose und individuellen Förderung im Informatikunterricht entwickeln wir Diagnoseinstrumente zur Feststellung von Missverständnissen und unangemessenen Vorstellungen in zentralen Bereichen des Informatikunterrichts. Die Studierenden, die in diesen Lehrveranstaltungen diese Methoden kennen lernen und erproben werden, sollen hierdurch in erster Linie in einem stärkeren Maße als bisher den Umgang mit unterschiedlichen Wissensständen und Vorkenntnissen im Fach Informatik erlernen. Da die Terminologie aus dem Umfeld der neuen Technologie in zunehmendem Maße auch die Umgangs- und Jugendsprache durchdringt und somit ein unscharfes oder gar falsches Bild der Fachwissenschaft zeichnet, sollen die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer auch für die Notwendigkeit eines korrekten und konsistenten Gebrauchs der Fachsprache sensibilisiert werden.

Wie wir das erreichen

In der ersten Projektphase erfassen wir in Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern, die in der Sekundarstufe I das Fach Informatik unterrichten, an welchen Stellen bei Schülerinnen und Schülern Missverständnisse oder gar unangemessene Vorstellungen auftreten. Ausgehend von diesen Erhebungen erstellen wir hierauf zugeschnittene Diagnoseinstrumente, so genannte Concept Inventories. Diese Concept Inventories sind Multiple-choice Tests, bei denen bewusst konstruierte falsche Antworten („Distraktoren“) eingebaut sind, so dass die Auswahl dieser falschen Antworten auf das Vorliegen einer bestimmten unangemessenen Vorstellung schließen lässt. In der zweiten Projektphase werden die Erkenntnisse der Konstruktion und ersten Anwendung dieser Diagnoseelemente in neu zu konstruierende Lehrveranstaltungen zur Diagnose und individuellen Förderung einfließen.

Ansprechperson: Prof. Dr. Vahrenhold (Informatik)