Chemie: Diagnose und individuelle Förderung im Chemieunterricht

In den Naturwissenschaften sind häufig große Unterschiede in den Leistungsvoraussetzungen und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler vorzufinden. Gerade das Fach Chemie gehört auch zu den Unterrichtsfächern, in denen von den Schülerinnen und Schülern oftmals nicht überzeugende Lernerfolge erzielt werden. Eine fachlich fundierte Diagnose und individuelle Förderung können als ein neuer Weg angesehen werden, dessen Ziel es ist, den Kompetenzerwerb im Chemieunterricht zu optimieren. Dabei können die individuellen Interessen, Lernausgangslagen und Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden.

Für Lehrkräfte bedeutet das allerdings, sich einer neuen Aufgabe zu stellen, die gerade in Chemie, einem Fach mit einer geringen Anzahl an Unterrichtsstunden, nicht leicht zu erfüllen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Materialien sowohl für die Diagnostik als auch für individuelle Fördermaßnahmen im Chemieunterricht kaum vorhanden sind.

Die Lehrpersonen müssen sich auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler einstellen und ihren Unterricht dementsprechend gestalten, um sie individuell fördern zu können. Eine Steigerung der diagnostischen Kompetenz und eine Offenheit, individuelle Fördermaßnahmen in den Unterricht zu integrieren, sind dafür unumgänglich.

Was wir ändern

Erstens machen wir die angehenden Lehrerinnen und Lehrer mit Diagnoseverfahren und Möglichkeiten zur individuellen Förderung vertraut. Sie sollen im Stande sein, geeignete Diagnoseaufgaben und individuelle Fördermaterialien zu erstellen und anzuwenden, um damit Lernschwierigkeiten und Fehlvorstellungen zu erkennen und zu beseitigen, aber auch Stärken und Begabungen zu identifizieren und auszubauen. Gleichermaßen sollen sie befähigt werden, Unterrichtsmaterialien und Diagnoseverfahren hinsichtlich ihrer Einsetzbarkeit zu analysieren und reflektieren. Zweitens entwickeln wir selbst Diagnoseaufgaben und Fördermaterialien zu einem ausgewählten Themengebiet, die dann in der Schule evaluiert werden.

Wie wir das erreichen

In verschiedenen Seminaren werden den Studentinnen und Studenten die Grundlagen der Diagnostik und der individuellen Förderung vermittelt und verschiedene Ansätze diskutiert. Zusätzlich sollen die Studentinnen und Studenten selbst Diagnoseaufgaben zum Erkennen von Stärken und Defiziten konzipieren und Vorschläge zur individuellen Förderung entwickeln. Diese Seminare werden regelmäßig evaluiert und den aktuellen Erkenntnissen angepasst.

Darüber hinaus wird eine Intervention in der Schule durchgeführt, in deren Entwicklung die Studentinnen und Studenten mit einbezogen werden. Somit werden gleichzeitig neue Instrumente für die individuelle Förderung konstruiert und die Professionalität der angehenden Lehrerinnen und Lehrer erhöht. In diesem Rahmen wird das Basiskonzept der chemischen Reaktion betrachtet. Zu diesem Thema werden Multiple-Choice-Aufgaben als Diagnoseinstrument entwickelt. Außerdem wird für die schulische Praxis Material für eine individuelle Förderung unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus der vorgeschalteten Diagnose konzipiert. Dabei spielt die Selbstverantwortlichkeit für das eigene Lernen eine große Rolle und soll bei den Schülerinnen und Schülern stärker gefördert werden. Das Diagnoseinstrument und die Fördermaterialien werden in der Schulpraxis erprobt, evaluiert und optimiert.

 

Ansprechperson: Prof. Dr. Melle (Chemie)