Mathematik / Rehabilitationswissenschaften: Weiterentwicklung der fachdidaktischen Ausbildung für den Mathematikunterricht an Grundschulen und an Förderschulen

 

Das vielfältige Wissen und Können, das die einzelnen Schülerinnen und Schüler in den Unterricht einbringen, stellt eine zentrale Grundlage für die Gestaltung des Mathematikunterrichts dar. Das traditionelle Muster eines einheitlichen Unterrichts für alle, der sich an einem angenommenen mittleren Niveau orientiert, kann angesichts der Vielfalt an Lernvoraussetzungen nicht zum Erfolg führen; dies gilt gerade auch für den Mathematikunterricht: Internationale Vergleichsstudien zeigen, dass bis zu zwanzig Prozent der Schulabsolventen in Deutschland Mathematikaufgaben nur auf Grundschulniveau lösen und die Anforderungen, die über elementare Standardaufgaben hinausgehen, nicht erfolgreich bewältigen können.

Damit die Lehrpersonen die Vielfalt von Lernvoraussetzungen im Mathematikunterricht produktiv nutzen können, müssen sie in die Lage versetzt werden, spezifische Lernstärken und -schwierigkeiten differenziert und auf individueller Basis zu erkennen, um je nach Profil der bereits erworbenen bzw. noch zu erwerbenden mathematischen Kompetenzen unterrichtsintegrierte und auch gezielte Maßnahmen der individuellen Förderung zu planen, zu realisieren und zu evaluieren.

Immer der gleiche Rechenfehler...

Was wir ändern

In spezifisch angelegten Lehrveranstaltungen zum Mathematikunterricht an Grund- und Förderschulen werden gemeinsam mit Studierenden erstens bestehende diagnostische Verfahren und vorhandene Konzepte für eine individuelle Förderung von Schülern vorgestellt und geprüft. Zweitens werden neue Verfahren und Konzepte entwickelt, die als konkrete innovative Impulse in Schulen erprobt und verbessert werden. Es besteht eine Kooperation mit vier Schulen, an denen die Studierenden die Verfahren erproben können. Dies sind die Grundschule im Dorf in Herdecke, die Langermannschule in Dortmund, die Lutherschule in Waltrop und die Peter-Petersen-Schule in Bochum. Durch eine erhöhte Diagnose- und Förderkompetenz der zukünftigen Lehrkräfte soll Lernschwierigkeiten vorgebeugt werden und das Fach Mathematik insbesondere in der Ausbildung von Lehrpersonen für sonderpädagogische Förderung einen höheren Stellenwert erhalten.

Wie wir das erreichen

In zwei aufeinander aufbauenden Lehrveranstaltungen werden auf der Basis fachlicher und fachdidaktischer Grundlagen von den Studierenden diagnostisch geeignete Aufgabensätze, mit denen individueller Förderbedarf ermittelt werden kann, sorgsam entwickelt, in der schulischen Praxis erprobt und kritisch reflektiert. Dem Förderbedarf ist in gezielten, fachdidaktisch begründeten Interventionen zu entsprechen, die praxisbegleitend zu evaluieren sind. Die Studierenden analysieren bestehende Förderprogramme und entwickeln individuelle Fördervorschläge, die sie ansatzweise im Schulalltag realisieren, evaluieren und reflektieren. Sie dokumentieren ihre Praxisversuche in exemplarischen Fallstudien und verbinden auf diese Weise fachlich theoretisches und pädagogisch praktisches Lernen. Analysen der Fallbeispiele beziehen sich zum einen auf die Rolle der Schüler, auf ihre mathematischen Lernvoraussetzungen, zum anderen aber auch auf die Rolle der Studierenden als angehende Lehrkräfte im Rahmen der Diagnose und Förderung, auf ihre diagnostisch fundierte Handlungsexpertise. Dabei stehen die Lehrenden und die anderen Studierenden als „kollegiale Supervisoren“ zur Verfügung. In beiden Seminaren wird darüber hinaus versucht, den Zuwachs an diagnostischer Kompetenz und an Förderkompetenz systematisch zu dokumentieren und zu evaluieren.

 

Ansprechpersonen: Prof. Dr. Moser Opitz (Rehabilitationswissenschaft), Prof. Dr. Nührenbörger (Mathematik), Prof. Dr. Selter (Mathematik), Prof. Dr. Wember (Rehabilitationswissenschaft)