Mathematik: Diagnose und individuelle Förderung als Unterstützung zur Entwicklung mathematischer Fachkompetenz

 

Lernwege, Stärken und Schwierigkeiten bei Schülern individuell zu diagnostizieren und adäquat zu fördern, gehört zu den zentralen Kompetenzen jeder Lehrperson. Dies wird nicht nur durch internationale Vergleichsstudien wie TIMSS oder PISA bestätigt, sondern zeigt sich gleichermaßen in den täglichen Herausforderungen des Lehrerberufs. Dem Wissen um den Handlungsbedarf in diesem Feld steht jedoch eine Unterrichtspraxis gegenüber, in der das Ausmaß an individueller Unterstützung der Schülerinnen und Schüler noch nicht in der notwendigen Breite gewährleistet ist. Dies wird durch Befunde gestützt, dass ein nicht geringer Anteil der Mathematiklehrer für Haupt- und Realschulen Probleme haben, Aufgaben auf dem Schwierigkeitsniveau ihrer Schülerinnen und Schüler korrekt zu lösen (TEDS-M 2008).

Fachliche Kompetenz fördern

Mit dem I1-Projekt werden diese Problemlagen aufgegriffen, indem Lerngelegenheiten gestaltet werden, die Diagnose und individuelle Förderung als notwendige Instrumente für die fachliche Kompetenzentwicklung der Studierenden erlebbar machen. Diese Erfahrungen bilden nicht nur die Grundlage für eine sich anschließende theoretische Fundierung (in Maßnahme I2), sondern sie bilden eine tragfähige Referenz für das Gelingen und den Erfolg im zukünftigen Mathematikunterricht.

Fachliche Kompetenz bezieht sich nicht nur auf den konkreten Kompetenzzuwachs im jeweiligen Inhaltsbereich, sondern meint darüber hinaus auch allgemeine mathematische Fähigkeiten wie Objekte, Sachverhalte und Muster zu strukturieren, aber auch Begriffe und Konzepte systematisch zu entwickeln wie auch das strukturierte Vorgehen in Problemsituationen.

An wen richtet sich unser Angebot?

Das Angebot richtet sich im Rahmen der o.g. Zielgruppe von I1 an Studierende mit Mathematik als Unterrichtsfach. Die Veranstaltungen, in denen I1 zum Tragen kommt, sind jeweils Vorlesungen mit Übungsbetrieb und haben eine Größe von etwa 100 bis 300 Studierenden.

Instrumente zur Diagnose und Förderung

Um Diagnose und individuelle Förderung für die Studierenden erlebbar zu machen sowie fachliche Weiterentwicklungen zu initiieren und zu begleiten, werden verschiedene Instrumente zur Diagnose und individuellen Förderung zunächst weiterentwickelt, eingesetzt und deren Wirkungsweisen theoretisch beforscht, um in einem zweiten Schritt zu entscheiden, welche Instrumente besonders geeignet sind. Die Instrumente entstammen größtenteils schulischen Kontexten. Damit werden sie nicht nur zur konkreten Förderung der Studierenden genutzt, sondern die Studierenden lernen später verwendbare Instrumente im eigenen Lernprozess kennen.

Zu den Diagnose- und Förderinstrumenten gehören beispielsweise:

  • Forschungsskripte, die die Studierenden anfertigen, um ihre Lernprozesse zu dokumentieren. Eine Diagnose der fachlichen Lernergebnisse sowie Förderempfehlungen in Form einer ausführlichen schriftlichen Rückmeldung erfolgen durch den betreuenden Übungsleiter.

 

  • Fachliche Kompetenzchecks werden zur Erhebung der erworbenen Begriffe und Verfahren eingesetzt. Diese sind als Selbsteinschätzungstests konzipiert, sodass die Studierenden hiermit eigenverantwortlich arbeiten können.

 

  • Checklisten dienen dazu, fachliche Kompetenzen so zu operationalisieren, dass die Ziele der Veranstaltung transparent sind und eine Grundlage bilden, individuelle Lernziele zu setzen und entsprechende Fördermaßnahmen festzulegen.

 

  • Concept Maps dienen der Strukturierung von erworbenem Wissen. Für die Studierenden bilden sie Anlass und Ausgangspunkt ihre Stärken zu erkennen und ihre Schwierigkeiten aufzuarbeiten. Die Analyse der Concept Maps gibt dem Dozenten darüber hinaus die Möglichkeit, die Lehrveranstaltung auf das Vorwissen der Studierenden hin auszurichten.

 

Ansprechperson: Prof. Dr. Hußmann (Mathematik)