Physik: Diagnose und individuelle Förderung Lehramtsstudierender beim Erwerb physikalischer Fachkompetenz

Im Fach Physik stellen die Studierenden des Grund-, Haupt- und Realschullehramts sowie des Lehramts für sonderpädagogische Förderung eine sehr kleine Kohorte dar. Sie werden daher in den zentralen Fachvorlesungen gemeinsam mit einer wesentlich größeren Gruppe Nebenfachstudierender ausgebildet. Diese Vorlesungen, die wegen der gemischten Zielgruppe nicht lehramtsspezifisch sein können, werden durch lehramtsspezifische Übungen ergänzt. Übungsaufgaben und Klausuren sind allerdings für alle identisch. Die Erfahrung zeigt, dass die Lehramtsstudierenden insbesondere in diesen Klausuren schlecht abschneiden. Dies ist umso alarmierender, als diese Vorlesungen u. A. den für den Haupt-, Real- und Gesamtschulbereich relevanten Schulstoff behandeln.

Die Interventionen von I1 setzen an der Ausgestaltung der lehramtsspezifischen Übungen an. Darin werden zahlreiche Maßnahmen zur Diagnose und individuellen Förderung erprobt. Das geschieht mit maximaler Transparenz, um die Studierenden frühzeitig für die unterschiedlichen Methoden und möglichen Wirkungen von Diagnose und individueller Förderung zu sensibilisieren.

Instrumente zur Diagnose und individuellen Förderung

In den Übungen wird zunächst eine Vielzahl an Diagnose- und Förderinstrumenten erprobt, die in ähnlicher Form in schulischen Kontexten eingesetzt werden. Dies sind z.B.:

  • Tests zur Diagnostik vorlesungsrelevanten Vorwissens und typischer Fehlvorstellungen. Anhand der Testergebnisse werden individuelle Förderempfehlungen zum Ausgleich fehlenden Vorwissens erstellt.
  • Checklisten für die Bearbeitung typischer Übungs- und Klausuraufgaben. Die Checkliste dient den Studierenden als Leitfaden zur Strukturierung der Aufgabenbearbeitung. Sie dient gleichzeitig dazu, eigene Defizite bezogen auf einzelne Bearbeitungsschritte einzuschätzen und wird dafür regelmäßig ausgefüllt und abgegeben. Die Betreuer erstellen daraus und aus den Aufgabenbearbeitungen Stärken-Schwächen-Diagnosen und Förderempfehlungen.
  • Kommentierte Musterlösungen erstellt durch die Studierenden. Die ausführliche Kommentierung der Lösungswege fördert die intensive Auseinandersetzung mit der Aufgabe und deckt Verständnisprobleme auf, die anhand reiner Rechnungen nicht erkennbar sind. Für die anderen Studierenden sind diese Musterlösungen wegen der detaillierten Begründungen eine wertvolle Hilfe beim Nachvollziehen von Lösungen.
  • Übungseinheiten mit Aufgaben und kommentierten Musterlösungen. Diese werden von den Betreuern bezogen auf typische Bearbeitungsprobleme erstellt und sind nach inhaltlichen und methodischen Anforderungsschwerpunkten gekennzeichnet. Sie können von den Studierenden anhand dieser Kennzeichnung gezielt ausgewählt und bearbeitet werden. Erst im Anschluss daran sollten die kommentierten Musterlösungen angefordert werden.
  • Concept Maps zu ausgewählten Teilgebieten der Vorlesung. Sie dienen der Diagnose und Förderung eines strukturierten Aufbaus von Fachwissen. Zusammenhänge, die in der Vorlesung in linearer Form präsentiert sind, sollen hier vernetzt abgebildet werden. Durch Vergleich differenzieren die Studierenden ihre Maps aus. Die Analyse der Maps gibt den Betreuern Hinweise auf Fehlvorstellungen sowie die Strukturiertheit des Fachwissens.

Sämtliche Instrumente werden bezüglich Aufwand und Nutzen evaluiert, gemeinsam mit den Studierenden reflektiert und weiterentwickelt, so dass im Laufe des Projektes eine Fokussierung auf die erfolgreicheren Instrumente erfolgen kann.

 

Ansprechperson: Alexander Pusch (Physik)