Germanistik/Mathematik: DiF in der Schulpraxis anwenden mit dem Schwerpunkt auf das Mathematiklernen unter Bedingungen der Mehrsprachigkeit

Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Muttersprache haben oft Schwierigkeiten, dem Mathematikunterricht zu folgen. Die Schwierigkeiten können verschiedene Ursachen haben. So weisen einige Lernende zum einen mangelndes Verständnis für mathematische Zusammenhänge und Operationen auf, zum anderen können die Schwierigkeiten aber auch beim Verstehen der sprachlichen Vermittlung fachlicher Inhalte gefunden werden. Denn die Sprache in der Mathematik und in anderen Fächern unterscheidet sich von der Sprache im Alltag gravierend. Sie enthält

  • Fachwörter (z.B. Hypotenuse);
  • grammatische Strukturen (z.B. man ziehe einen Kreis um den Punkt B);
  • Textformen, wie sie z.B. in Sachaufgaben zu finden sind;
  • Ausdrücke (z.B. überschlagen), die in der Mathematik andere Bedeutungen annehmen als im Alltag;
  • „Kleine“ Wörter mit großer Wirkung wie je oder pro, die im Alltag vieler Lernender nichtdeutscher Muttersprache selten gebraucht werden.

Kinder und Jugendliche mit der Muttersprache Deutsch hingegen haben mehr Erfahrungen mit solchen Ausdrücken und sprachlichen Formen, weil sie in ihrer Muttersprache eine größere Bandbreite des Deutschen von Zuhause her kennen. So können sie sich auch unbekannte Formen aufgrund ihrer größeren Erfahrung im Deutschen erschließen.

Die sprachlichen Verstehensschwierigkeiten, die bei den Lernenden mit nichtdeutscher Muttersprache vorliegen können, werden von Lehrerinnen und Lehrern häufig nicht erkannt. Die Schwierigkeiten fallen nämlich in der alltäglichen Kommunikation sprachlich nicht auf, sie sprechen Deutsch bisweilen sogar fehlerlos. Die fachliche Diagnose berücksichtigt das Ineinandergreifen fachlicher und sprachlicher Schwierigkeiten nicht, so dass sie zu keinem befriedigenden Ergebnis führen kann. Das Potenzial der Schülerinnen und Schüler wird somit nicht in ausreichendem Maße gefördert. Um diesen Jugendlichen helfen zu können, müssen die Lehrerinnen und Lehrer die Hintergründe ihrer Schwierigkeiten erkennen (Diagnose), um sie mit geeigneten Maßnahmen zu überwinden (Förderung).

Wie wir das ändern

Im Teilprojekt werden angehende Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigt, das Ineinandergreifen von sprachlichen und fachlichen Verstehenshürden mit Hilfe geeigneter Analysen zu erkennen und eine genauere Einschätzung der Lernschwierigkeiten vorzunehmen. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten zur fach- und sprachintegrierten Förderung ausgelotet. Das Konzept für ein an Forschungs- und Förderprozessen orientiertes Seminar wird im Laufe der Projektlaufzeit erprobt und weiterentwickelt. Dabei kooperiert das Projekt mit dem Forschungsprojekt MUM (Mathematiklernen unter Bedingungen der Mehrsprachigkeit), um die Phänomene noch besser zu verstehen. Ein weiteres Ziel ist, bis Ende der Projektlaufzeit das Seminarkonzept für alle MINT-Fächer nutzbar zu machen.

Wie wir das erreichen

In unserem Seminar lernen die Studierenden zunächst theoretische Grundlagen des Zweitspracherwerbs und erhalten Einblicke in die mathematikdidaktische Forschung zu Denkweisen von Schülerinnen und Schülern im Lösungsprozess mathematischer Aufgaben. Anschließend werden im Seminar Mathematikaufgaben, die die fachliche und sprachliche Entwicklung anregen sollen, fachsprachlich analysiert und im Rahmen eines diagnostischen Schülerinterviews erprobt. Ziel ist es, die Lernprozesse im Hinblick auf die fachliche und sprachliche Verarbeitung zu analysieren. Darauf aufbauend entwickeln die Studierenden Fördermaterialien, die sich an theoretischen Leitlinien zur Entwicklung von sprach- und fachintegrierten Förderansätzen orientieren. Auf diese Weise werden die Studierenden für Methoden der Diagnose und individuellen Förderung sprachlich schwacher Lernender sensibilisiert und lernen so fachliche und sprachliche Prozesse aufeinander zu beziehen.

 

Ansprechpersonen: Dr. Meyer (Mathematik), Prof. Dr. Prediger (Mathematik), Dr. Özdil (Deutsch als Zweitsprache), Dr. Seipp (Zentrum für Lehrerbildung), Dr. Winters-Ohle (Dortmund steht zur Sprache e. V.)